Kategorie: Blog

Worthaus Pop-Up 2020 in Tübingen. Ein Bericht.

Wir waren am 29.2.2020 mit 5 „bedingungs-losen“ Leuten beim Worthaus Pop-Up in Tübingen. Am Samstag, so gegen 10 Uhr, treffe ich im Pfleghof-Saal zuallererst auf Thorsten Dietz. Wir „kennen“ uns von facebook – und jetzt das erste Gespräch von Angesicht zu Angesicht („face-to-face“ für jene, die meinen, es wäre so cool, alles und jedes zu anglizismisieren). Ob es dieses Adjektiv wirklich gibt – who knows? Das Gespräch läuft wie geschmiert, kein Wunder, wenn zwei Ruhrpottkinder sich treffen.

Typisch fundamentalistische Sichtweisen – und was du darauf antworten kannst

Hier stellen wir euch in unregelmäßiger Reihenfolge ab sofort Videos, Bücher, Vorträge aus dem bibeltreu-fundamentalistischen Lager vor. Uns geht es hier nicht um Polemik, sondern um eine kritische Betrachtung derer, denen wir es abnehmen, dass sie mit ganzem Herzen Christen sein wollen. Den Anfang macht ein Vortrag, den ein bibeltreu-fundamentalistischer Prediger vor bibeltreuen Zuhören hielt.

Religion als Unterhaltung

Ach, wenn man Gott beweisen könnte! Allein bereits, wenn viele Leute in derselben Glaubenshaltung zu einander finden, wächst subjektiv der Überzeugungsfaktor: derart viele können doch nicht irren! Also sollte man es dahin bringen, Frömmigkeit als Massenevent zu organisieren, mit Amtsträgern, die glauben machen, von Gott selbst gesetzt zu sein, und Lehrern, die unfehlbar sind, sobald sie Gott im Munde führen. Die Religion als Unterhaltungsschauspiel – so würde sie im Handumdrehn erfolgreich sein! Das Wunder würde ihre Macht erweisen …

Gegen den Leadership-Wahnsinn!

Ich kann es nicht mehr hören: Leadership, Leiterschaft. Und ich will auch weder meine Management-Skills noch mein Leadership Know-how vertiefen. Stattdessen möchte ich dem ähnlicher werden, der gesagt hat: Wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. Ich möchte auch nicht das „1×1 des Coachings“ kennen lernen. Und dafür noch Knete abdrücken müssen.

Stattdessen atme ich auf und ganz tief frei durch mit den Worten aus Jeremia: „Ich lege mein Gesetz in ihr Inneres und schreibe es ihnen ins Herz. Und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Und nicht mehr braucht einer den anderen und niemand seinen Bruder zu belehren mit der Mahnung: ‹Erkenne Jahwe!› …

Eugen Drewermann: Wendepunkte

Eugen Drewermann stellt in seinem Buch „Wendepunkte – oder: Was besagt eigentlich das Christentum?“ die Theologie vom Kopf wieder auf die Füße und führt sie zurück zu dem, was Jesus von Nazareth wollte und was das Christentum eigentlich besagt. Er kritisiert in aller Deutlichkeit die in der Kirchengeschichte wirkmächtige Überzeugung, dass objektiv festgelegt werden könne, wie wir Gott zu verstehen haben und was Erlösung durch Christus bedeutet.

Volle Tonne, leere Teller

Wie kann es sein, dass im reichen Deutschland Menschen arm sind? Wie kann es sein, dass jeden Tag tonnenweise Lebensmittel vernichtet werden? Und die Tafeln zeitgleich einen Zulauf von Rentnern, Alleinerziehenden und Kindern verzeichnen? In seinem Debattenbuch geht der Vorsitzende der Tafeln Deutschland Jochen Brühl diesen Fragen nach.

Gegen christlichen Fundamentalismus

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich in autoritären Strukturen äußert. Ich bin vielmehr für mündige Strukturen. Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: völlig unverhältnismäßiger Überbetonung von „Leiterschaft“, die im schlimmsten Fall in geistlichem Missbrauch endet. Ich bin vielmehr für: Geistliche Freiheit und eine Jesus gemäße Betonung von „Diener sein“. Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: einem (jugendlichen) „Event-Christentum“, das sich nach außen top-modern gibt, aber nach innen ultra-konservativ ist.

Jürgen Mette: Die Evangelikalen

„Ich bin tatsächlich ein Evangelikaler, ein wertkonservativer engagierter Christ“, räumt Bestsellerautor Jürgen Mette ein und untersucht „Die Evangelikalen“ sodann mit der Präzision eines Arztes aus der liebevollen Innenansicht eines Betroffenen. Seine Diagnose: „Die evangelikale Szene kränkelt“. Kränkelt chronisch. An Richtungsstreitigkeiten. Separatismus. Bei gleichzeitiger Sehnsucht nach Einheit und Multiplikation. Seine biografisch-theologische Annäherung „Die Evangelikalen – Weder einzig noch artig“ ist bei Gerth Medien (Asslar) erschienen. Jürgen Mette schreibt dieses Buch für alle, die sich über Evangelikale wundern, sie bewundern oder sich von ihnen entfremdet haben.

Nicht mehr schweigen

Nun kommen sie endlich zu Wort: Queere Christinnen und Christen, die lange über ihre innersten Gefühle geschwiegen haben – aus Angst, abgelehnt und ausgegrenzt zu werden. Es sind 25 junge und alte Menschen, Männer und Frauen, Singles und gestandene Eltern aus Deutschland und der Schweiz: Sie erzählen davon, wie es ist, nicht sein zu dürfen, von der Sehnsucht, endlich anzukommen und dem langen Weg zu sich selbst. Und sie stehen exemplarisch für Tausende in unseren Kirchen und Gemeinden. Das Buch wurde von mehreren christlichen Verlagen abgelehnt und kam per Crowdfunding im Selbstverlag 2019 auf den Markt kommen.