Corona, Chaos, Christsein.

In Zeiten des Coronavirus gehen auch wir neue Wege und erweitern (zumindest temporär) unseren Gesprächskreis – online!

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„Corona, Chaos, Christsein. Wie der Virus unseren Alltag verändert. Und was Gott mit alldem zu tun hat. Oder auch nicht.“

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Thomas Kerner

Mach es Dir nicht zu einfach, Mike! Sozialpsychologisch interessant, wie schlecht ganz offensichtlich viele Leute mit sich selbst zurecht kommen. Bricht der Aussenkontakt aus irgendeinem Grunde zusammen, fällt die Arbeit als Existenzgrund plötzlich weg, ist man auf grausame Weise mit sich, seinem Wohnzimmer und einem leeren Tag mutterseelenallein und schon scheint es kritisch zu werden: Was tun? Wie stopf ich dieses schwarze Loch wieder zu? Wie rette ich mich vor meiner eigenen Anwesenheit? Christen sollten in dieser Situation durchatmen können, wissen sie doch, dass sie nie alleine sind. Aber reicht dieses Wissen? Ich glaube, ich setze mich jetzt auf mein Fahrrad, fahr ins Grüne, stelle mich auf eine Lichtung und danke Gott dafür, am Leben zu sein. Unterlaufe ich damit die Schutzmaßnahmen? Bin ich ein Egoist?

Thomas Kerner

Man lebt ja in diesen Tagen stets mit einem Auge auf die Anderen gerichtet: Heike und ich waren gestern in einem Hofladen am grünen Rand von Germering. Die Kunden warteten brav in „Merkelmeterdistanz“ (einsfuffzig hintereinander) auf dem Innenhof. Im Laden arbeiteten hinter dem Tresen vier Angestellte in engstem Kontakt. Ist das nicht seltsam? Social distancing zum unbekannten Kunden, Körperkontakt zum vermeintlich bekannten Arbeitskollegen? Dabei könnte doch auch dieser infiziert sein. – Ja, aber der Mensch hat 1. eine unbesiegbare Tendenz zum Vertrauen (wir Christen würden sagen: zu Gott) und 2. gerade in verrückten Zeiten ein starkes Bedürfnis nach Kontakt. In der Addition ergibt dies eine klitzekleine Freude an kameradschaftlicher Unvernunft.

Michael Deutrich

Also Corona ist wohl schon besonders eklig, kann man mit Grippeviren nicht gleichsetzen. Ist neu und kaum erforscht. Bitte keine Verschwörungstheorien. Wir müssen schon aufpassen und uns vernünftig verhalten. Man kann es doch mal ein paar Wochen ohne Party aushalten Allerdings gefällt mir eines nicht: Wir geraten in eine Spirale zunehmender staatlicher Autorität, in der auf einmal jede staatliche Maßnahme als alternativlos durchgewunken wird. Das wird für ein paar Wochen akzeptabel sein. Wir müssen aber aufpassen, dass das kein Dauerzustand wird. Michael

So, jetzt sind sie da – die bayrischen Ausgangsbeschränkungen. War mit zu rechnen. Wundert mich ohnehin, dass man auf die Vernunft und Einsicht der Leute gesetzt hat. In einem Land, das als einziges europaweit (Insel Isle of Man ausgenommen) kein Tempolimit hat, in dem ohne Rücksicht auf menschliche oder tierische Verluste durch 30er-Zonen gebrettert wird, was das Zeug hält – was will man da erwarten? Spanien, Frankreich, Italien wussten wohl eher als wir, dass das nicht hinhaut mit der Vernunft und Einsicht im großen Stil. Die Ausgangsbeschränkungen hätten viel eher kommen müssen. Aber nun sind sie endlich da. Ich wünsche mir, dass die Beschränkungen dazu dienen, dass Leben gerettet werden können. Dass man erst durch Strafe lernen muss, weil es über Einsicht nicht klappt, ist ein Armutszeugnis des „mündigen“ Menschen. In diesem Sinne: Verhängt hohe Geldstrafen für alle die, die sich immer noch uneinsichtig verhalten werden. Besser wäre allerdings Einsicht.

Jenny

Hi Mike, die Frage brennt mir ebenfalls unter den Nägeln und ich ringe nach tragfähigen Antworten…., die ich bisher noch nicht gefunden habe…

Und meine Angst ist auch, dass man jetzt jedes Mal, wenn man wegen irgendetwas krank ist, gleich so „abgestempelt“ werden könnte… So alá: „Krank = Corona…“ . Dabei gibt es noch 100 andere Viren …. Corona klingt ja fast schon wie ‚AIDS’…
Hoffentlich ist meine Offenheit hier okay….
Liebe Grüße.
Jenny

Thomas Kerner

Was, wenn sich die ganze Sache als ein „Irrtum“ herausstellt, als eine seltsame Verzahnung von Hysteriebereitschaft auf der einen Seite und Alarmismus auf der anderen Seite? Richtig ist doch, dass wir Unwissende (wir, die wir keine Physiker, Ärzte, Geologen, Klimatologen und Chemiker in einer Person sind) seit Jahren mit allen möglichen Ängsten vor dem Unsichtbaren munitioniert werden: Angst vor HIV, Angst vor Schweinepest und Vogelgrippe, Angst vor CO2, Feinstaub, Ozonlöcher, Radioaktivität, Temperaturanstieg usw. Früher hatten die Menschen vor handgreiflichen Dingen Angst (Gewitter, Natur, Missernten, Krieg), heute vor weitgehend ungreifbaren. Diese „begrifflose“, substanzlose Angst lebt in ständiger Hysteriebereitschaft und wartet geradezu auf den Auftritt von Menschen, die sie entzünden. Letztere sind vielleicht gerade hic et nunc unsere TV-Großmeister der Virologie (allen voran dieser Corona-Guru Drosten), eher unbeabsichtigt, aber dennoch mit vollem ärztlichem Pathos und der messianischen Strahlkraft ihres elitären Wissens. Virologen, das sollten wir nicht vergessen, sind alleine schon auf Grund ihrer Profession latente Kontaktallergiker! Würde sich die Welt um Virologen drehen, wäre sie ein keimfreies Labor (gab ja auch Monsieur Kekulé mehr oder minder deutlich im TV schon zu). – Tja, und schon haben wir das Kind mit dem Badewasser ausgeschüttet und das liegt jetzt frierend und hysterisch schreiend am Boden und bekommt einen – Schnupfen!

Thomas Kerner

Ich möchte mal das Gerede über die neuen „Regeln“ ein bisschen „relativieren“: Eine Situation wie die jetzige hat per se ein riesiges totalitäres Potential. Überall wo es darum geht, eine gewisse Reinheit, Unversehrtheit, Echtheit gegen die Gefahren einer Ansteckung und einer „Verunreinigung“ zu verteidigen, wird es schnell gefährlich. Auch wenn man den Angesteckten so lange es geht und mit aller Kraft einen Opferstatus attestiert, irgendwann kippt die Sache, gerät in eine Schieflage. Aus den „armen“ Opfern mit Vorerkrankung oder einem hohen Alter werden dann schnell Opfer, die selbst daran schuld sind, dass sie Opfer geworden sind (weil sie sich an den falschen Orten herumgetrieben haben, die Quarantänemaßnahmen nicht ernst genug genommen haben, sich einen zu libertinären Umgang mit der Gefahr geleistet haben, sich nicht „anständig“, nicht so wie „wir“ verhalten haben). Appelle wie der der Bundeskanzlerin von gestern Abend befördern diese Gefahr. Auch wenn sie in ihrer Ansprache nicht zu einem Kreuzzug aufgefordert hat, hat sie doch die Bazuka aus dem Waffenschrank genommen und von einer Gefahr „wie nach dem 2. Weltkrieg“ gesprochen. Solche Bedrohungsszenarien schreien geradezu nach totalitärem Missbrauch. In diesem Sinne: Paßt auf, lasst euch nicht total verregeln und bleibt gesund. (Übrigens: Was hätte Jesus gemacht? Sich an eine Ausgangssperre gehalten???)

Die Frage, die mir als Christ unter den Nägeln brennt: Wie bekommt man den Glauben an einen durch und durch guten und gütigen Gott zusammen mit todbringenden Viren? Betrifft also das Thema „Theodizee“. Zur aktuellen Lage: Die Ausgangssperre wird kommen. So oder so. Leider gibt es genug Leute, die sich einfach nicht an die nun herrschenden Regeln und Empfehlungen halten wollen.