Gegen christlichen Fundamentalismus

Gegen christlichen Fundamentalismus

 Meine Meinung / Von Mike Sommer

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: autoritären Strukturen.

Ich bin vielmehr für mündige Strukturen.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: völlig unverhältnismäßiger Überbetonung von „Leiterschaft“, die im schlimmsten Fall in geistlichem Missbrauch endet. 

Ich bin vielmehr für: Geistliche Freiheit und eine Jesus gemäße Betonung von „Diener sein“.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: einem (jugendlichen) „Event-Christentum“, das sich nach außen top-modern gibt, aber nach innen ultra-konservativ ist. 

Ich bin vielmehr für: ein authentisches Christentum, bei dem „Verpackung“ und Inhalt übereinstimmen.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in angstbesetztem, abgrenzendem, elitär denkendem Insel-Verhalten. 

Ich bin vielmehr für:
grundsätzlich konsequent liebevolles Verhalten gegenüber jedermann.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in Homophobie (soziale, gegen gleichgeschlechtlich liebende Menschen gerichtete Aversion), die in der Gemeinde ihren Tiefpunkt in einer „biblisch begründeten“ Ablehnung schwuler und lesbischer Christen erfährt. 

Ich bin vielmehr für:
Ein buntes Leben, weil Gottes geschaffene Welt total bunt ist. Ich begrüße die Verschiedenheit in
z.B. Alter, Bildung, Familienstand, Herkunft, Lebensentwürfen, Meinungen und Musikgeschmack. Selbstverständlich und besonders auch in der sexuellen Orientierung.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: einer wortwörtlichen, „bibeltreuen“ Auslegung der Bibel

Ich bin vielmehr für: ein nicht-fundamentalistisches, kritisch-unterscheidendes UND offen-vertrauensvolles Bibelverständnis. „Es gibt im Grunde nur zwei Arten des Umganges mit der Bibel: man kann sie wörtlich nehmen oder man nimmt sie ernst. Beides zusammen verträgt sich nur schlecht.“ (Pinchas Lapide).

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: einem rigorosen Schwarz-Weiß-Denken als antimodernistische Antwort auf einen unverbindlichen Beliebigkeitspluralismus. 

Ich bin vielmehr für ein offenes, glaubhaftes Christsein in einer pluralistischen Welt, das den eigenen religiösen Wahrheitsanspruch wie auch den Dialog mit Andersdenkenden / -glaubenden nicht aufgibt.

Ich kann mich nicht für einen christlichen Fundamentalismus begeistern, der sich äußert in: einem Gottesbild, das den liebenden Gott auch als einen strafenden Gott darstellt

Ich bin vielmehr für das Gottesverständnis von Jesus: ein Gott, der die Menschen ohne Vorleistungen und Opfer bedingungslos liebt. Ich lehne die Vorstellung von einem ambivalenten, zwischen Güte und Zorn schwankenden Gott ab. Ich bewerte diese Vorstellung als „eine der menschlichen Geschichts- und Selbsterfahrung entstammende Projektion.“ (Eugen Biser)